Posts mit dem Label autobiographisch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label autobiographisch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

ich sitze im park


 

zuvor ging ich langsam einer strasse entlang: lärm von lastern (ha, ha wie schön die doppeldeutigkeit) und autos. kaum auszuhalten. furchtbar. ich bin todkrank. meistens schlafe ich jetzt. das ist wunderschön und tut mir gut. anderes mag ich kaum mehr tun. auf der strasse gehe ich erinnerungen entlang von guten essen. aber hunger habe ich kaum mehr. erinnerungen von guten essen und anderen dingen, die ich früher gern getan habe. kaum zu fassen, wie menschen heute leben. auch im park ist heute lärm. und dort drüben jene junge frau auf ihrem velo. sie sitzt auf dem sattel, hat kaum was an, stellt vor allem ihre beine aus beim telefonieren. wie könnte es anders sein. der lärm stammt von einem kompressor, mit dem ein bad gereinigt wird. für den winter? dann endlich ist ruhe. das licht ist wunderschön. warmes spätsommerlicht in den blättern der palmen ... ha, ha, nein doch, ich bin nicht in ninive. nein in den blättern meines gedächtnisses, das allmählich und gemütlich in den wellen des flusses zergeht ...

standhalten



 
ich halte stand: der erkrankung mit ihrer mattigkeit, erschöpfung, verlust an kräften, ängsten, schmerzen

wozu? warum nicht einfach aufgeben?
 
weil ich auf diese weise leiden verwandle
in können, kunst, in worte und zeichen, die so niemand gesetzt hat
 
ein foto erreichte mich vor wochen von der vue des alpes
auch ich sende, ohne dass ich einen schritt vor die haustür setze
von der vue de la vie
sehe ich dinge, die, könntet ihr sie sehen ...

tageszeichnung - begegnung



tageszeichnungen - gibt's die noch? jawoll. aber ich publiziere nur noch selten welche, weil mir die kraft dazu nicht mehr reicht. s.a. vorhergehenden post niedergang. gott sei dank, reicht sie noch zum zeichnen


tageszeichnung - motto


kritzeln statt surfen
hinsehen statt fernsehen
zeichnung statt zeitung

mir ist nach schweigen zumute



und dann beginnen solche dinge zu entstehen, aus innerem schweigen und in gemächlicher langsamkeit. während ich eines dieser bilder malte, hatte ich eine kurze, eindringliche vision: ein haus im wald, dort hätte ich zu leben. zurückgezogen. in friedlicher einsamkeit die letzte zeit verbringen. auf jeden fall in der stillen natur. aus dem offenen fenster drang heute viel gerede, jetzt während ich schreibe - stille. endlich! so wohltuend. mir ist nach schweigen zumute. ich habe genug geredet im leben, auch viel geplappert und dabei spass gehabt. jetzt ist es zeit für stille und bilder, die aus ihr geboren werden



tageszeichnung - vielleicht hast du der welt noch etwas zu sagen


 

mit diesem einfachen satz bin ich heute begrüsst worden. wie schön! denn ich bezweifle ihn häufig genug. noch häufiger beklage ich, was mir durch meine erkrankung genommen worden ist. vielleicht hast du der welt noch etwas zu sagen. das heisst: wichtiger als was ich bekomme, ist vielleicht das, was ich anderen anzubieten habe


tageszeichnung - motto


kritzeln statt surfen
hinsehen statt fernsehen
zeichnung statt zeitung

tageszeichnung - magier



aus allen richtungen sprechen menschen in mein leben, von links, rechts, vorn schräg oben ... das ist anstrengend. manchmal frage ich mich, mit wem ich da überhaupt rede. zeitweilig scheint dies irrelevant. dann brabble ich einfach ...

freunde und andere 97 - zrki



ob ich es erhalten hätte? er lächelt und schaut mich erwartungsvoll an. uff, nein. was war da nur gewesen? genau. er hatte sich vor wochen gewünscht, dass ich ein portrait von ihm zeichne, für seine tochter zum geburtstag, wenn ich es richtig verstanden hatte. wollte mir als grundlage fotos schicken, die ich aber nie erhalten habe. ob ich nicht jetzt schnell ein porträt von ihm anfertigen könne. nun danach vielleicht, bedeute ich ihm, denn jetzt gerade stopfte ich mir einen croissant mit butter und marmelade in den mund ...

natürlich redet er wie viele andere, die unsere sprache nicht ganz beherrschen, von einem foto, wenn er eine zeichnung meint. und scheint auch zu glauben, dass er schnell vor mich hinstehen könne, mit einem lächeln im gesicht, und ich dann wie bei einem fotoapparat - ich weiss da nicht genau, wie er sich vorstellt, dass das gehen soll - ich also mit meinen augen und meinem stift schnell eine art knips machen würde, und dann wäre sein porträt fertig - da im skizzenbuch! er hat meine porträts von menschen im café schon häufig bewundert, aber nie gesehen, wie ich sie mache, denn er war mit servieren beschäftigt, während ich zeichnete. und da schau an, ich habe dieses kunststück tatsächlich vollbracht, ohne dass er je ruhig halten brauchte

freunde und andere wurde inspiriert von einem gleichnamigen buch über den hamburger zeichner und maler horst janssen, welches zahllose porträts von freunden von ihm und eben anderen enthält. (s.a. literaturhinweis auf diesem blog). janssen ist mir vorbild geworden, seit ich ihn im dezember 2017 entdeckt habe

kleines wunder in einer buchhandlung


 

wunder geschehen dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. wegen meiner erkrankung brachte ich eines tages nicht einmal mehr die kraft auf, vom markt zum nahen bahnhof zu fahren, um dort ein bestimmtes geschäft aufzusuchen. so betrat ich statt dessen eine kleine, mir nicht vertraute buchhandlung gerade neben dem markt. ich fühlte mich in der stille dieses raumes sofort wohl, stöberte etwas in den schön präsentierten büchern und wählte drei aus. die buchhändlerin schaute sich diese genau an und meinte, dass ich eine gute wahl getroffen hätte. überrascht wollte ich wissen, ob sie sie denn alle gelesen hätte, was die junge frau ganz selbstverständlich bejahte. sie sei buchhändlerin und da lese sie eben viel.

was mich berührte, war die stille und doch offensichtliche freude und der stolz, die sie über ihren beruf zum ausdruck brachte, während sie den verkauf abwickelte. ich fühlte mich durch ihre erste bemerkung in meiner wahl natürlich bestätigt, glaube aber nicht, dass sie sie mit dieser absicht gemacht hat sondern eher als spontane geste der freude an unserer begegnung. wenn schon mit einer absicht dann vielleicht der, mich in ein kleines gespräch zu verwickeln. so haben wir denn auch eine weile geplaudert, ehe ich den sympathischen laden verliess.

als ich vor die tür trat, hinaus in einen grauen regen, der mir mit einem kalten wind ins gesicht peitschte, spürte ich unerwartet ein wunderbar warmes und tröstliches gefühl im herzen und bemerkte, dass ich ein ganzes stück fröhlicher war als vor dem betreten des buchladens.

das licht, das



der raum ist hoch. die decke aus holz. es ist licht hier. ich blicke hinaus in weites grün. überall bäume. ich weiss sofort. hier ist mein platz. hier möchte ich leben. in diesem raum möchte ich enden, denn das ist es, womit ich mich derzeit zu befassen habe

allerdings befinde ich mich in einer friedhofskapelle und es ist mir nicht erlaubt, hier auf mein ende zu warten. ich bin vielmehr hier, um mich von bettina zu verabschieden, einer mir sehr lieben freundin, die ich von geburt auf kenne. sie ist vor etwa einem monat mit exit von uns und dieser welt gegangen

tageszeichnungen



 

 


was tun, wenn einem mehr und mehr genommen wird, bis fast nichts mehr übrig bleibt, ja man selbst täglich ganz langsam, aber deutlich spürbar reduziert wird in richtung auf das unausweichlich end-gültige? mein radius hat sich verkleinert auf 500 m vielleicht. dann fühle ich mich elend und schwach. ein lähmendes stechen in der brust, heute morgen im buchladen, heute nachmittag im café, dann ein quälender schmerzstoss. in der öffentlichkeit unterdrücke ich das schreien. niemand merkt mir was an. ich wirke gesund, bin aber schwer krank, kann vor schmerz kaum mehr die schuhe binden

jetzt beim schreiben auf dem tischset während des nachtessens brennt es in der brust nach einem dieser fürchterlichen schmerzstösse. was gibt in einem solchen leben noch sinn?

das unhörbare gewitter



im buchladen stehe ich (immerhin) und lasse mich von büchern in bann ziehen. (wie schön!) aber dann zieht es plötzlich quer durch den brustkasten. schmerz steigert und entfaltet sich, gemütlich sich zeit lassend. ist es wegen des rucksacks, der nach hinten zieht, oder habe ich zu weit nach oben gegriffen im gestell wie neulich schon, oder nur einfach zu ...

tageszeichnung - deshalb



es kostet mich inzwischen viel hier raus zu fahren, auf einen kaffee und heute bei regen. aber ich tue es, um einen halbwegs normalen tag zu erleben. zeichnen bringt mich wieder auf den boden, auch wenn ich zunächst heute am anfang still einen schweren schmerzstoss durchstehen musste. im café kann ich nicht einfach losschreien ...

während des mittagessens habe ich ihr mitgeteilt, dass ich künftig allein essen werde. wir sind nicht freunde sondern eine zufällige schicksalsgemeinschaft. ich habe mehr ihr gesellschaft geleistet als sie mir, aber jetzt fehlt mir die kraft. zu krank bin ich inzwischen. zu sehr strapaziert sie mich - ohne dass sie es merkt. sie hat es mit fassung genommen, sie habe ja einen neuen fernseher ... und dann verlor sie sich in klagen darüber, wie lange sie auf die reparatur warten musste. wie habe ich diese art monologe monatelang ausgehalten? manchmal konnte ich einen blick tief in ihre seele und ihr langes leben werfen. in solchen momenten spürte ich eine tiefe einsamkeit, die mir weh tat - deshalb

in dem moment, in dem ich den stift vom papier nahm



in dem moment, in dem ich den stift vom papier nahm, erwachte ich und nahm die geräusche im restaurant wieder wahr. vielleicht war es auch umgekehrt so, dass ich mit einem schlag in einen tiefen schlaf und zugleich in den kollektiven traum versetzt worden war, den man gemeinhin als realität zu bezeichnen pflegt

in der realität bieten mir viele süssigkeiten an oder ein essen in einem tollen restaurant, manche versuchen mich mit reisen an einen schönen ort zu verführen, all diese dinge mag ich zweifellos, jedoch brauche ich sie nicht, wie wir die ...

das farbige gefängnis



kürzlich meinte bernhard bei einem nachtessen, dass ich mit ihr eine psychoanalyse mache. ich verneinte, muss ihm aber nach einer begebenheit heute recht geben. vermutlich würde sogar sigmund freud zustimmen. aufgeregt berichtete sie mir, dass der 'sonderling' sich ihr genähert und ihr sein ganzes leben erzählt habe. sie konnte es nicht fassen. ihre schilderung bewies, dass sie ihm wiederholt einfühlung entgegengebracht hatte. sie weiss und erkennt das allerdings nicht, weil das eine für sie noch immer fremde welt ist

während monaten habe ich mich für ihre früheren jahre interessiert wie wohl niemand sonst - aus eigennutz: nur damit mir nicht langweilig war bei unseren täglichen mittagessen. ansonsten hätte ich, gefangen in diesem durch das asyl bedingten 'setting', endlose schilderungen über öde banalitäten ertragen müssen. nebenher ordnete sie so ihre vergangenheit und stattete sie mit neuem sinn aus. tja, das ist tatsächlich, was in einer psychoanalyse geschieht. ausserdem entsteht quasi nebenher einfühlungsvermögen

randbemerkung: wegen einer sache würde freud mit mir ins gericht gehen. ich dürfte um keinen preis mit ihr essen (wegen der in der psychoanalyse so wichtigen abstinenzregel!) andrerseits: jeden tag eine stunde zu einer fixen zeit, das ist typisch freud. nicht einmal bernhard weiss da so genau bescheid

freunde und andere 96 - veronika



ich reflektiere das licht der ewigkeit - immer ewig (veronika ehrensperger) in unserer letzten trancereise16 - glitzernde vision entwickeln (link) - bitte mit kopfhörer anhören und in ruhiger und sicherer umgebung
 
gleich das erste stück, welches du mir schwerkrankem patient als musiktherapeutin auf deiner harfe gespielt hast, hat mich zutiefst berührt. danach hast du dein instrument ausgerichtet und in richtung meiner schmerzen gespielt - welch überraschende, wohltuende linderung. welcher überwältigende auftakt. in der folgenden zeit hast du in mein leben ...

tageszeichnungen - ich mach einfach weiter


 

ich stehe an busstationen, auch im winter, ich sitze und warte beim frisör, ich warte auf der post, stehend selbstverständlich, ich bin krank, halte schmerzen stand und der grande fatigue (als wäre das eine attraktive dame, nein es ist die hässlichste form von erschöpfung, die man sich denken kann), ich reise im gedränge von dicht besetzten ...

marronistand



es ist bitterkalt. es regnet leicht. dennoch stelle ich mich im nieselregen zum zeichnen hin. der regen befeuchtet tropfenweise das papier und erzeugt zusammen mit dem fineliner unberrechenbare, interessante effekte auf dem blatt. es muss einfach rasch gehen

meine monsterweihnachtsgeschichte



die ärztliche prognose hatte gelautet, dass ich die nächste weihnachten wahrscheinlich nicht mehr erlebe. nun, ich habe mich nicht an die prognose gehalten

als kind war ich ein durch und durch braves kind, nahezu heilig, aber doch nicht ganz. insgesamt eine richtig erfreuliche weihnachtsbescherung für meine eltern, denn es existieren keine hinweise dafür, dass ich mich je als monster oder enfant terrible benommen hätte. dieses war dummerweise früh unterdrückt worden 

monstergelächter (link) mit nachweis der unterdrückung!

das monster hat sich dafür in späteren jahren auf eine umso schlimmere weise manifestiert, als ich während einiger jahre berater an einer erziehungsberatungsstelle war:

the dark man



 

ich habe kaum schlafen können diese nacht. eine eigenartige und unerklärliche unruhe plagte mich fast die ganze nacht. am morgen, als ich frisch geduscht und rasiert aus dem zimmer trat, sah ich als erstes die elektrisch-tote kerze an der tür gegenüber und wusste bescheid. wieder jemand gestorben, eine junge frau, die während ihres ganzen aufenthalts hier das bett nie hat verlassen können. wollte sie rauchen, wurde ihr bett jeweils auf die terrasse geschoben. ich habe häufig in der nacht ihre verzweifelten schreie gehört. meine verstörtheit der vergangenen nacht war auch geklärt. jedesmal, wenn jemand in einem der umliegenden drei zimmer stirbt, passiert mir das. ich spüre das sterben durch die wand, ohne dass ich weiss, was da vorgeht. ja, es sind schon viele in meiner unmittelbaren umgebung gegangen. und ich habe schon andere male diese verzweifelten schreie in der nacht gehört

linienverspielt XV - griesgrämig



ob sich die menschen auf meinen bildern nicht allmählich auflösen würden? das hörte ich sagen

gestern abend im bett durchfuhr mich ein fürchterlicher, qualvoller und heftiger schmerzstoss, während einer mir die beine massierte. ich habe nicht geschrien wie früher, mit geschlossenen augen einfach nur still ausgeharrt. ich weiss inzwischen, dass die meisten mit so etwas nicht klar kommen und auch wer nicht. kurz blinzelte ich und konnte sehen, dass der mich beobachtete. und er hat nicht dergleichen getan. kein wort

wenn jemand meiner not nicht mitgefühl engegenbringen kann, das weiss ich inzwischen, dann braucht dieser mensch mein mitgefühl. wenn ich unter qualvollen schmerzen leide, bin ich leider noch immer nicht dazu in der lage

wenn ich in der öffentlichkeit menschen beobachte, die sich vollkommen in ihre handys verlieren und in ihren reaktionen den stress erkenne, den sie schon längst nicht mehr wahrnehmen, den ich sogar förmlich riechen kann, dann weiss ich, dass diese menschen über kurz oder lang zu keiner einfühlung mehr fähig sein werden

'so griesgrämig, wie wir jetzt manchmal noch sind, wären wir eine zumutung für dich.' so hat man mir geschrieben. also antworte ich: