tageszeichnung - motto
kritzeln statt surfen
zeichnung statt zeitung
das café unter den platanen ist full of tourists, frisch eingeflogen aus america. salt - das ist mir noch nie passiert. dafür gibt es keine entschuldigung, aber spass gehört sich dennoch. also was tun? ...
am strassenrand mitten im lärm der stadt: mohn - schlicht und still
tageszeichnungen - gibt's die noch? jawoll. aber ich publiziere nur noch selten welche, weil mir die kraft dazu nicht mehr reicht. s.a. vorhergehenden post niedergang. gott sei dank, reicht sie noch zum zeichnen
mit diesem einfachen satz bin ich heute begrüsst worden. wie schön! denn ich bezweifle ihn häufig genug. noch häufiger beklage ich, was mir durch meine erkrankung genommen worden ist. vielleicht hast du der welt noch etwas zu sagen. das heisst: wichtiger als was ich bekomme, ist vielleicht das, was ich anderen anzubieten habe
leute ich schwörs, wir gehen rosigen zeiten entgegen. sie kommen modisch leichtfüssig per rad, etwas schüchtern vielleicht, aber doch erkenn-bar als sanfter hauch von pink
was tun, wenn einem mehr und mehr genommen wird, bis fast nichts mehr übrig bleibt, ja man selbst täglich ganz langsam, aber deutlich spürbar reduziert wird in richtung auf das unausweichlich end-gültige? mein radius hat sich verkleinert auf 500 m vielleicht. dann fühle ich mich elend und schwach. ein lähmendes stechen in der brust, heute morgen im buchladen, heute nachmittag im café, dann ein quälender schmerzstoss. in der öffentlichkeit unterdrücke ich das schreien. niemand merkt mir was an. ich wirke gesund, bin aber schwer krank, kann vor schmerz kaum mehr die schuhe binden
jetzt beim schreiben auf dem tischset während des nachtessens brennt es in der brust nach einem dieser fürchterlichen schmerzstösse. was gibt in einem solchen leben noch sinn?
es versteht sich von selbst, dass eine solche zeichnung in wenigen augenblicken entsteht. zugleich verlangt sie lebenslange erfahrung im handwerk des zeichnens. der druck war gross. ich konnte lesen, dass das tram in zwei minuten abfahren würde und musste erst block und stifte aus dem gepäck holen. danach musst du genau wissen, wo anfangen, mass nehmen an allen proportionen und dann mit präzisem, sparsamem strich vorgehen, während du zugleich ständig dein 'objekt' im auge behältst, das sich in meinem fall jederzeit bewegen und seine position verändern konnte. es ist leicht gesagt, dass es leicht sei, so eine einfache zeichnung zu machen!
es kostet mich inzwischen viel hier raus zu fahren, auf einen kaffee und heute bei regen. aber ich tue es, um einen halbwegs normalen tag zu erleben. zeichnen bringt mich wieder auf den boden, auch wenn ich zunächst heute am anfang still einen schweren schmerzstoss durchstehen musste. im café kann ich nicht einfach losschreien ...
während des mittagessens habe ich ihr mitgeteilt, dass ich künftig allein essen werde. wir sind nicht freunde sondern eine zufällige schicksalsgemeinschaft. ich habe mehr ihr gesellschaft geleistet als sie mir, aber jetzt fehlt mir die kraft. zu krank bin ich inzwischen. zu sehr strapaziert sie mich - ohne dass sie es merkt. sie hat es mit fassung genommen, sie habe ja einen neuen fernseher ... und dann verlor sie sich in klagen darüber, wie lange sie auf die reparatur warten musste. wie habe ich diese art monologe monatelang ausgehalten? manchmal konnte ich einen blick tief in ihre seele und ihr langes leben werfen. in solchen momenten spürte ich eine tiefe einsamkeit, die mir weh tat - deshalb
die beiden vor mir scheinen gut und glücklich unterwegs zu sein. während ich ihnen folge, halte ich den zeichenblock in der einen, den stift in der anderen und zeichne im gehen ... obacht, wir überqueren auch einen fussgängerstreifen ... was ich da tue, sollte man vielleicht ebenso unterlassen wie das radfahren auf gehsteigen. aber was soll's, niemanden kümmert es und es hat wieder mal geklappt
vermehrt schmerzen und weniger kraft, ausdauer oder was auch immer ... die krankheit 'konsumiert' mich, wie die ärztin es formuliert. das stimmt mich traurig. es gibt nur etwas, was mich tröstet: mich im zeichnen verlieren. ein tag, in dem ich mich nicht im zeichnen verliere ist ein verlorener tag
regentag. unter dem schirm beim gehen gezeichnet, darauf achtend, dass ich die ganze zeit über den rhythmus einer bluesmelodie im körper bewahrte, während der regen die tinte langsam herunterwusch wie tränen spuren von makeup hinter sich her ziehen