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unscheinbar 30 - erinnerungen an die stadtgärtnerei

 

 

noch vor kurzem ging ich jeden tag zu fuss zur stadtgärtnerei. ich liebte es, mich in der ruhigen pergola in einen der orange-roten stühle zu setzen und verschiedene pflanzen und blüten zu studieren. dann brachte das leben veränderungen und ich suche jetzt andere orte auf. und wer weiss, wohin die nächste änderung mich bringen wird ...


weit oben wolken
ziehen schweigend vorüber
bald, bald zieh ich mit

 


verblüht

 

 

vom gedicht verblüht existiert eine audioversion (link, bitte über kopfhörer anhören): stimme: frank wartenweiler, harfe und arrangement: veronika ehrensperger. weitere vertonungen von poesie, haikus und texten auf der seite poems + haikus (audio) (link)


die blume
die ich an dieser ecke
vor kurzem malte
nichts erinnert mehr an sie
verblüht
erloschen dieser strahl 

wir haben kein zuhause
nur den ewig währenden augenblick
in dem wir leben

um dieses licht
das wir sind
unser be-gabtes wesen
für eine kurze zeit
zum strahlen zu bringen
und zu werden
schön wie blumen


unscheinbar 22 - die kleinen lichter am wegrand sind am erlöschen

 


 
bin schon halbwegs
nicht mehr hier 
 
die versuche
mich zu halten
rühren mich
 
an einem ort
der heimat nicht sein kann
für niemanden
 
doch niemand bemerkt dies
natürlich!
denn mir allein
gilt der ruf, den ich vernehm

 

 

 

 

 

faszinierend wie die farben der kleinen lichter am wegrand von einem einst zarten rosa in blasses ocker übergehen und fast bei schwarz enden, als würden sie trauer tragen ...

unscheinbar 21 - kleine lichter des glücks am wegrand

 

kleine geheimnisvolle laternen in der nacht

 

häufig muss ich mich auf eine parkbank setzen, weil ich schmerzen habe oder keine kraft mehr zum weitergehen. das lehrt mich schönheit und glück im unscheinbaren zu entdecken, z.b. gestern kleine sterne im gras am wegrand im bild unten ...

unscheinbar XX - glück am strassenrand

 

für glück brauche ich keine grosse reise zu unternehmen. es ist überall, gratis, ganz nah, in der betrachtung von unscheinbaren blüten am strassenrand in meinem quartier, im nächsten atemzug, im nächsten schritt ... hier hatte ich ausserdem das glück, das noch nasse aquarell unmittelbar vor einem wolkenbruch nach hause ins trockene retten zu können


rhododendren

 

sehnsucht spüre ich
nach frieden, schönheit, leichtigkeit, stille ... 
wie sie in diesen blüten leben 
von dieser atmosphäre getragen
möchte ich meine letzten tage verbringen
mich auf die endgültige heimkehr 
einstimmen dürfen

eine tour vom sihlfeld zur punta manara

 

magnolie

 

ein sonniger tag, der wärme verbreitet. ich schaffe es zum friedhof sihlfeld, wo der frühling blüht. die magnolien jedoch sind bereits am verblühen. beim malen und zeichnen hier finde ich frieden. wunderbar die weite im geäst der hohen bäume in den alleen. der weg nach hause ist zwar nicht weit, aber die krankheit bestimmt, dass es weniger ein gehen ist als ein sich nach hause schleppen. heute nehme ich es so, wie es halt ist, gelassener als sonst, und bin froh, als ich heil zu hause ankomme. vielleicht geht es derzeit gerade darum, dass ich diesen weg des raschen verfalls in frieden gehe

wenn ich dereinst nicht mehr bin, dann sucht mich nicht auf einem friedhof. dort werde ich nicht sein. sondern ...

unscheinbar XIX - verblühte hortensie

 

im frühling fuhr ich zum wandern meist nach ligurien, stieg zur punta manara hoch, oder zum semaforo nuovo auf dem monte portofine, wo man stundenlang dem wind zuhören, sich an der sonne wärmen und über das weite meer schauen kann. das ist jetzt zu weit für mich. ich stieg auch gern in den zug nach basel, wo ich nach croissant und cappuccino ...

unscheinbar XVII - blüten am wegrand

 


was zeichnen heute? erst der typ. er setzt sich mir gegenüber. ausgerechnet. er ist mir gar nicht sympathisch. aber sein gesicht lässt sich mit wenigen strichen gut erfassen, während er sich dieser idiotischen fummelei an einem handy hingibt. ich geh raus, an die luft. die menschen reden von ostern, ihren reisen an ferne orte. ich werde hier bleiben. reisen ...

tabu VII - ziehe schuhe und socken aus ...


schwindelerregende aussicht auf die eigenen füsse ... nicht so leicht zu zeichnen!

... und gehe mit nackten füssen weiter, den boden sanft berührend. du wirst mit den unterschiedlichsten blicken und kommentaren bedacht - weil du ein tabu brichst. aber jenseits davon warten ungeahnte sinnliche genüsse einzigartiger qualität auf dich ...

im irisgarten von zürich II




"momauguin" heisst diese irisblume mit den aparten schwarzen und braunen blütenblättern. derzeit blüht eine vielzahl irisblumen in eigenwilligen, seltenen ausprägungen. weitere aquarelle aus dem jahr 2016 im eintrag im irisgarten von zürich I

Der Duft des Frühlings

Magnolie


Im Frühling verströmen sie einen zarten, süsslichen Duft, manchmal kaum wahrnehmbar, laden zum Innehalten, zum Schnuppern ein. Meist geht der Duft von kleinen, weissen, unscheinbaren Blüten aus, von ebenso unauffälligen Büschen und Sträuchern in der Stadt. Je wärmer die Sonne, desto intensiver der Duft. Mich beeindruckt, dass der so feine Duft dem ganzen Lärm einer Stadt widersteht. Kann man Duft malen?


Im nahen Rieterpark blühen Magnolien. Ich setze mich auf den Betonblock einer Lüftungsanlage auf einem kleinen Hügel, ein idealer Ort, um einen Aquarellkasten hinzustellen und eine kleine Flasche Tusche. Zeichenfeder und Tusche sind neu. Der Reiz dieser "altertümlichen" Arbeitsweise liegt in ihrer Unberechenbarkeit. Immer wieder entstehen überraschende Verdichtungen, auch Kleckse ... wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis einer mal auf Hemd oder Hose landet...


Stehend und ohne Ablage beim nächsten Baumgeht das mit der Tusche allerdings nicht mehr. So greife ich für eine zweite Zeichnung wieder zu Fineliner und Farbstiften.

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