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vor kurzem noch eine tageszeichnung


 

sie zeigte, was mir bei einer tramfahrt in die feder gelaufen war. hier eine weitere bearbeitung, in der auch die feder (arbeitsinstrument) gezeigt wird plus ein rezept (oder handlungsanweisung) in form eines haikus, einer japanischen gedichtsform. wenn einem da beim lesen schwindelig wird, dann begreife und entschuldige ich das

tageszeichnung - ein wenig verspätet




warten mit geduld
bis mir einer
in die feder läuft


tageszeichnung - motto


kritzeln statt surfen
hinsehen statt fernsehen
zeichnung statt zeitung

tageszeichnung - vielleicht hast du der welt noch etwas zu sagen


 

mit diesem einfachen satz bin ich heute begrüsst worden. wie schön! denn ich bezweifle ihn häufig genug. noch häufiger beklage ich, was mir durch meine erkrankung genommen worden ist. vielleicht hast du der welt noch etwas zu sagen. das heisst: wichtiger als was ich bekomme, ist vielleicht das, was ich anderen anzubieten habe


tageszeichnung - motto


kritzeln statt surfen
hinsehen statt fernsehen
zeichnung statt zeitung

unstillbare sehnsucht nach ferne



ich selbst bin sowieso lahmgelegt. einige schritte im quartier tun es und dann geht nichts mehr. nur ein nahender trolley erinnert mich gelegentlich an die möglichkeit des reisens, an ferne länder, traumähnliche städte wie persien, byzanz ... nun, da reist sowieso niemand mehr hin. fast täglich frohlocken - ich meine sogar triumphieren - bekannte heiter mit wohlklingenden destinationen, an die sie demnächst reisen werden - mit dem flugzeug natürlich. sonst wäre es nicht weit genug, dass sie glauben könnten, das zu finden, wonach sie sich sehnen

tageszeichnungen



 

 


was tun, wenn einem mehr und mehr genommen wird, bis fast nichts mehr übrig bleibt, ja man selbst täglich ganz langsam, aber deutlich spürbar reduziert wird in richtung auf das unausweichlich end-gültige? mein radius hat sich verkleinert auf 500 m vielleicht. dann fühle ich mich elend und schwach. ein lähmendes stechen in der brust, heute morgen im buchladen, heute nachmittag im café, dann ein quälender schmerzstoss. in der öffentlichkeit unterdrücke ich das schreien. niemand merkt mir was an. ich wirke gesund, bin aber schwer krank, kann vor schmerz kaum mehr die schuhe binden

jetzt beim schreiben auf dem tischset während des nachtessens brennt es in der brust nach einem dieser fürchterlichen schmerzstösse. was gibt in einem solchen leben noch sinn?

tageszeichnungen - ich mach einfach weiter


 

ich stehe an busstationen, auch im winter, ich sitze und warte beim frisör, ich warte auf der post, stehend selbstverständlich, ich bin krank, halte schmerzen stand und der grande fatigue (als wäre das eine attraktive dame, nein es ist die hässlichste form von erschöpfung, die man sich denken kann), ich reise im gedränge von dicht besetzten ...

tageszeichnung - die abenteuer auf der linie 31



 

mal abgesehen vieler nutzloser konversationen erleidet man auf dieser linie das vergnügen der fahrer, die dich in den kurven mit grosser wucht auf die andere seite des fahrzeugs schleudern


tageszeichnung - motto


kritzeln statt surfen
hinsehen statt fernsehen
zeichnung statt zeitung

linienverspielt XV - griesgrämig



ob sich die menschen auf meinen bildern nicht allmählich auflösen würden? das hörte ich sagen

gestern abend im bett durchfuhr mich ein fürchterlicher, qualvoller und heftiger schmerzstoss, während einer mir die beine massierte. ich habe nicht geschrien wie früher, mit geschlossenen augen einfach nur still ausgeharrt. ich weiss inzwischen, dass die meisten mit so etwas nicht klar kommen und auch wer nicht. kurz blinzelte ich und konnte sehen, dass der mich beobachtete. und er hat nicht dergleichen getan. kein wort

wenn jemand meiner not nicht mitgefühl engegenbringen kann, das weiss ich inzwischen, dann braucht dieser mensch mein mitgefühl. wenn ich unter qualvollen schmerzen leide, bin ich leider noch immer nicht dazu in der lage

wenn ich in der öffentlichkeit menschen beobachte, die sich vollkommen in ihre handys verlieren und in ihren reaktionen den stress erkenne, den sie schon längst nicht mehr wahrnehmen, den ich sogar förmlich riechen kann, dann weiss ich, dass diese menschen über kurz oder lang zu keiner einfühlung mehr fähig sein werden

'so griesgrämig, wie wir jetzt manchmal noch sind, wären wir eine zumutung für dich.' so hat man mir geschrieben. also antworte ich:

tageszeichnung - zärtlichkeit im bus der linie 31



der bus der linie 31 schüttelt mich hin und her. ich sitze in eine ecke gedrängt und kann den stift nur mit mühe einigermassen kontrolliert übers papier führen, um dieses bezaubernde, junge paar zu zeichnen. da beugt sich bei einer station eine frau von hinten zum mir runter: 'sehr schön' kommentiert sie mein werk und ist ausgestiegen, noch ehe ich mich umdrehen kann

tageszeichnung - motto


kritzeln statt surfen
hinsehen statt fernsehen
zeichnung statt zeitung

warten an der tramhaltestelle




 


unterwegs

 

unterwegs mit schweren taschen



unterwegs - wenn es heiss wird, rasch die jacke ausziehen

es ist nicht einfach ...


als künstler den richtigen ausstellungsraum zu finden, das bild richtig zu platzieren und beim fotographieren im richtigen moment abzudrücken. und sehr richtig: ich hatte eine schwäche für die schablone mit dem hund an der leine

 


 

offensichtlich wurde ich täter, aber in einem anderen bereich. da kann keine therapie helfen, denn die tat selbst ist therapie, zwar nicht legal, so doch ohne schaden für niemanden ... nichtsdestotrotz droht im hintergrund ein gitter!

 

 


reisen

 


 

auf reisen durch ihre stadt fällt den menschen kaum auf, dass da etwas sonderbar ist. dazu müssten sie schon aufblicken. aber vielleicht fällt auch dir nichts besonderes auf ...

 

vom folgenden gedicht existiert eine audio-version (link); sprecher: frank wartenweiler. weitere gedichte auf der seite poems + haikus (audio) (link)

 

 

 

reisen

sie reisen
mit ruhelosen augen
in eine ferne leere
durch ihr quartier
schauen
das ist für später
in einem urlaub vielleicht
wo es dann vergessen ist
das leben
verschwunden
in verschwendung
denn du:
du schnippst mit dem finger
vorbei ist's
und kehrt nie zurück

hardplatz

 

hardplatz - wartende am tramhalt der linie 8


von träumen her kommend
von anderen zeiten und fernen orten
schiebt sie den wagen vor sich her
ihr schlafendes kind
durch eine allee
und den strassenverkehrsrausch
 
hört nicht das rauschen
weil sie es kennt
sieht nicht die allee
weil sie diese kennt
sieht nicht ihr kind
weil sie es kennt
nur die sprechblasen
und kleine bilder
im ding in ihrer hand 
 
immer dichter der druck
weil sie verpasst
was - weiss sie nicht
 
was weiss ich
wie das passt
dass immer dichter die erfahrung
 
während ich still und leer
nur schaue
was rund um mich her
einfach passiert



linienverspielt XIII - reisen

 

 
sie reisen
mit ruhelosen augen
in eine ferne leere
durch ihr quartier
schauen
das ist für später
in einem urlaub vielleicht
wo es dann vergessen ist
das leben
verschwunden
in verschwendung
denn du:
du schnippst mit dem finger
vorbei ist's
und kehrt nie zurück

vom gedicht reisen existiert eine audio-version (link); sprecher: frank wartenweiler. weitere vertonungen von gedichten auf der seite poems + haikus (audio) (link)

tageszeichnungen

 

 

pausenlos plagen mich heute trotz der medikamente schmerzen. ich fühle mich schwach und krank, sollte in einem solchen zustand gar nicht mehr auf die strasse dürfen. aber rundum nimmt man es als selbstverständlich hin, dass ich das weiterhin schaffe; und so schaffe ich es tatsächlich ins café und zu zeichnen. irgendwann nehme ich die schmerzen nicht mehr wahr. das geschieht immer, wenn ich mich von formen fasziniert im zeichnen verliere und dieses schliesslich von selbst geschieht. zeichnen ist heilsam!

wieder einmal hielt ich für einen kurzen moment den schlüssel in der hand, der zu einem gelingenden bild führt. ich begann mit wenigen formen, die mich faszinierten, und gab mich dann spielerisch dem hin, was auf dem papier geschah, bis ich mich darin verlor und von einer wunderbaren stille erfüllt wurde. ich wollte nichts weiter mehr, als dass diese spontane freude am tun und diese stille andauern mögen. vielleicht ist dies das rezept zu guten bildern. jedenfalls fühle ich mich nach so einem ereignis während vielen stunden erfüllt und glücklich und kann die krankheit besser ertragen

für die zeichnungen habe ich nicht mehr gebraucht als zwei fineliner, einen in blau, einen in schwarz, und zum kolorieren einen grünen farbstift, einen kleinen pinsel, etwas wasser und eine übrig gebliebene spur von noch feuchtem kaffee in meiner tasse. welch bescheidene mittel - abgesehen von fertigkeiten - für einen moment von erfolg und glück ...

 


 

das ganze blatt mit skizzen von gestern im tram und den beiden von heute im café weist in der mitte noch eine leere ...

figurative notizen 25 - unterwegs im tram und an tramstationen

 

der akkordeonspieler vom bellevue


 

ob der akkordeonspieler die stimmung am bellevue hebt? nein. niemand nimmt ihn wahr. die menschen starren gedankenverloren ins leere oder auf ein handy - auf meinen inzwischen seltenen fahrten in die stadt habe ich das vergnügen wieder aufgenommen, schnelle figürliche skizzen anzufertigen. bald werde ich vielleicht auch das nicht mehr können. so entstehen miniaturen, an denen ich mich lange erfreue und die viel über das leben in meiner stadt erzählen