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unscheinbar 32 - bullingerplatz

 

 

wozu nach new york fahren, oder sidney oder an irgendein kap? kappen gibt es hier genug, am bullingerplatz um die ecke gleich massenweise. da komme ich zu fuss gut hin, während ich für die anderen destinationen das tram nehmen müsste. das dauert zu lange. hier finde ich zudem alles, was man als tourist benötigt: sitzbänke, einen plätschernden brunnen, ein nettes café, begegnung mit fremden kulturen und einen treu wartenden hund ...


 

unscheinbar 31 - hardplatz

 

 

auf der akropolis habe ich vor jahrzehnten die kamera gegen einen zeichenstift getauscht (siehe mein erster blogeintrag wie das mit dem zeichnen seinen anfang genommen hat). weil ich mitunter schwer erkrankt bin, muss ich auf reisen verzichten und habe die berühmten orte gegen unscheinbare plätze in meiner nächsten umgebung getauscht. täglich komme ich wenigstens bis zum harplatz, wenige schritte von meinem zuhause entfernt, ein reizloser verkehrsknotenpunkt, auf dem ich aber stets neues für meine kritzeleien entdecke. nicht das colosseum, nicht die freiheitsstatue sind meine sujets sondern z.b. eine schlichte ampel vor einem fussgängerstreifen, dazu einige passanten. ob die frau mit dem rollkoffer von der akropolis zurückkehrt? oder vom eiffeltum, oder nur von einer präsentation?

imposante säulen gibt  es nicht nur auf der akropolis. wirklich nur 'unscheinbar 31'? scheinbar zufällig hält die linie 31 hier. ein sehr lärmoyanter ort. eine symphonie in grauklängen. beton halt, marmor, das war einmal



ein guter ort zum rumhängen auch ...

unscheinbar 30 - erinnerungen an die stadtgärtnerei

 

 

noch vor kurzem ging ich jeden tag zu fuss zur stadtgärtnerei. ich liebte es, mich in der ruhigen pergola in einen der orange-roten stühle zu setzen und verschiedene pflanzen und blüten zu studieren. dann brachte das leben veränderungen und ich suche jetzt andere orte auf. und wer weiss, wohin die nächste änderung mich bringen wird ...


weit oben wolken
ziehen schweigend vorüber
bald, bald zieh ich mit

 


unscheinbar 29 - vergänglichkeit

 


 

zeit verlieren

 
im mai schon kam herbst
ein ganzer sommer dahin
spurlos verloren
 
 

zeit verschwenden

 
ertrinken
beim verschwenden von zeit
in nichtssagendem
 

unscheinbar 26 - rankend dem licht entgegen

 

 

ich hatte lange im schatten einer pergola gesessen, bis ich diese pflanze direkt vor meiner nase wahrgenommen habe, so unscheinbar ist sie. gerade die formen ihres hochrankens haben mich dann gefangengenommen und zum zeichnen verleitet

derzeit befasse ich mich einmal mehr mit der arbeitsweise des malers oskar koller (1925-2004), bekannt geworden für seine wunderbaren aquarelle und seine geniale fähigkeit, mit leerem raum umzugehen. man kann viel von ihm lernen. derzeit studiere ich seinen umgang ...

unscheinbar 25 - eine braune lilie am letzigraben

 


 

eine edle lilie, in unscheinbar braunem gewand, einsam an einer grauen hauswand am strassenrand des viel befahrenen letzigraben fällt sie wahrscheinlich kaum jemandem auf ...


unscheinbar 24 - irgendein gebüsch am wegrand im sihlfeld

 


 

fasziniert von den farben der blätter dieses gebüschs habe ich verschiedentlich versucht meinen eindruck wiederzugeben. manche blätter sind tiefrot, vor allem wenn die sonne hindurchscheint, andere haben einen grünton, wieder andere sind silbern grau. da soll einer sagen, blätter seien grün ... keine ahnung, wie dieser busch heisst und es spielt für die erfahrung seiner farbigkeit auch nicht die mindeste rolle

 


unscheinbar 23 - hühner im quartiergarten

 


 

ich erwache mit schwerem schwindel, aber erstaunlich wenig schmerzen. habe ich gestern versehentlich eine überdosis an schmerzmitteln erwischt? trotz allem schaffe ich es aus dem bett und in die stadt, streichle auf dem weg durchs quartier ein junges, verspieltes und hingebungsvolles kätzchen, zeichne wie in alten zeiten menschen an der tramstation, während der fahrt und dann im café bei einem feinen frühstück

am tisch nebenan gackern zwei gut aufgedonnerte, mittelalterliche und mittelschwere damen über das leben anderer, deren operationen, dann nochmals eine reha, dass es eine entzündung geben kann, man selber schauen müsse ... ich liebe es, allein hier zu sitzen und mich von dieser wunderbaren stimmung unverbindlicher und dummer schnorrerei einlullen zu lassen. mit meiner erkrankung könnte gut ich gemeint sein, denn ich könnte leicht meine ganze zeit für behandlungen hergeben. eben gestern habe ich wieder ein angebot für bestrahlungen wegen der schmerzen abgelehnt. dafür sitze ich jetzt hier, mitten in diesem wundervollen leben, das ich für eine weile in vollen zügen geniesse

meine therapie ist das zeichnen, das malen unterwegs, krankheitsbedingt jetzt meist an unscheinbaren orten in meiner nächsten umgebung, etwa am strassenrand oder im gemeindegarten von albisrieden, in welchem ich unerwartet aus dem hintergrund leises gackern höre ... tatsächlich, auch hühner leben hier und scheinen sich zu freuen, wenn man ihre nähe sucht. ah, wie heilsam schon nur deren gegenwart ist

unscheinbar 22 - die kleinen lichter am wegrand sind am erlöschen

 


 
bin schon halbwegs
nicht mehr hier 
 
die versuche
mich zu halten
rühren mich
 
an einem ort
der heimat nicht sein kann
für niemanden
 
doch niemand bemerkt dies
natürlich!
denn mir allein
gilt der ruf, den ich vernehm

 

 

 

 

 

faszinierend wie die farben der kleinen lichter am wegrand von einem einst zarten rosa in blasses ocker übergehen und fast bei schwarz enden, als würden sie trauer tragen ...

unscheinbar 21 - kleine lichter des glücks am wegrand

 

kleine geheimnisvolle laternen in der nacht

 

häufig muss ich mich auf eine parkbank setzen, weil ich schmerzen habe oder keine kraft mehr zum weitergehen. das lehrt mich schönheit und glück im unscheinbaren zu entdecken, z.b. gestern kleine sterne im gras am wegrand im bild unten ...

unscheinbar XX - glück am strassenrand

 

für glück brauche ich keine grosse reise zu unternehmen. es ist überall, gratis, ganz nah, in der betrachtung von unscheinbaren blüten am strassenrand in meinem quartier, im nächsten atemzug, im nächsten schritt ... hier hatte ich ausserdem das glück, das noch nasse aquarell unmittelbar vor einem wolkenbruch nach hause ins trockene retten zu können


unscheinbar XIX - verblühte hortensie

 

im frühling fuhr ich zum wandern meist nach ligurien, stieg zur punta manara hoch, oder zum semaforo nuovo auf dem monte portofine, wo man stundenlang dem wind zuhören, sich an der sonne wärmen und über das weite meer schauen kann. das ist jetzt zu weit für mich. ich stieg auch gern in den zug nach basel, wo ich nach croissant und cappuccino ...

unscheinbar XVIII - und weit weniger hohl ...

 


das wahre leben, nun ja, nicht in deinem smartphone, nicht in einer app, sondern wenn du mit offenen augen durchs leben gehst, dann entdeckst du es, direkt vor deiner nase sogar auf etwas unscheinbarem wie asphalt - klar: prosit auf das echte leben


unscheinbar XVII - blüten am wegrand

 


was zeichnen heute? erst der typ. er setzt sich mir gegenüber. ausgerechnet. er ist mir gar nicht sympathisch. aber sein gesicht lässt sich mit wenigen strichen gut erfassen, während er sich dieser idiotischen fummelei an einem handy hingibt. ich geh raus, an die luft. die menschen reden von ostern, ihren reisen an ferne orte. ich werde hier bleiben. reisen ...

unscheinbar XV - leere stühle und ein lächeln

 

 

leer sind die stühle vor den cafés jetzt, nur gelegentlich kurz besetzt, lassen sich dennoch gemütlich zeichnen, drinnen hinter scheiben an der wärme ... und an der bar versuchen, zum heiss aufgeschäumten ...

unscheinbar XIV - das ungemachte bett


 

wer schaut schon beim aufstehen am frühen morgen hinter sich - in die verlorene landschaft eines nicht gemachten betts? die anregung dazu hatte ich in irgendeinem gescheiten buch gefunden, wurde eingeladen an vier aufeinander folgenden tagen eben diese landschaft sofort nach dem aufstehen zu zeichnen ... nun denn, es kostete mich etwas ...